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Unsere Kummersteine


Wir haben zwar kein Patentrezept gegen den Kummer, einen Stein hingegen schon!

Ob im Rahmen unserer Schwerpunktkur „Trauerbewältigung“ oder für Trennungskinder, in der Therapie setzten wir im Umgang mit dem Kummer auf den Kummerstein. Er hilft, Gefühle bewusst auszudrücken und sich für die belastenden Schwierigkeiten bewusst Zeit zu nehmen.

Der Kummerstein:

„Oh je, oh Schreck!“ dachte sich der kleine Eisbärjunge, als sein Papa lieber in die Arktis zum Robbenfischen ging, als bei seiner Familie zu bleiben. Von da an saß der kleine Eisbärjunge den ganzen langen Tag nur noch herum und bewegte traurig den Kopf hin und her.
Schließlich wurde es seiner Mama und seiner Schwester zu anstrengend, den Eisbärjungen tagein tagaus abzulenken. Vor allem, da sie ja beide nichts an der Situation, die zur Traurigkeit führte, ändern konnten.

Darum begleitete die Bärenmutter den kleinen Eisbären zu einem großen Felsen und sagte: „Jetzt kannst du dich hier hinsetzen und traurig sein. Nach einer Weile nimmst du diesen bunten Stein hier und drückst ihn ganz fest mit der Pfote. Wenn du gar nicht mehr stärker drücken kannst, dann lässt du ihn plötzlich los und du wirst fühlen, dass dein Kummer verschwindet. Nicht für immer, aber für eine Weile, sodass du mit uns spielen kannst. Du darfst aber nur einmal am Tag zu diesem Fels kommen und Kummer haben.“

Und der kleine Bär probierte die nächsten Tage seinen Kummerstein am Trauerfels aus. Eine ganze Weile dachte er an den Papa und war traurig. Dann drückte er den Stein so fest er konnte. Nach einer Weile ließ er ihn los. Und siehe da, der Kummer wurde weniger, sodass er mit seiner Schwester herumtollen konnte. So machte es der kleine Eisbärjunge jetzt jeden Abend, bis der Kummer viel kleiner geworden war und er wieder fröhlich sein konnte wie die anderen Bärenkinder.*

In Kindergruppen der Ergotherapie (Kinder der Schwerpunktkuren Trauer- oder Trennung) erzählen wir den Kindern die Geschichte vom Kummerstein. Auf verschiedene - künstlerische Art und Weise - werden dann Kummersteine erstellt. Ob bunt bemalt, oder aus Speckstein geschliffen, die Wirkung ist gleich: Die Kinder haben ein Medium, mithilfe dessen sie sich eine bewusste Zeit zum „Traurigsein“ nehmen können. So wird, durch das Ablassen der Energie, der Emotionsstau reguliert. Die Verwendung des Kummersteins kann dann individuell oder auch als Familienritual durchgeführt werden. Für die Kinder ist die Anwendung des Kummersteins eine Erlaubnis, trotz des schlimmen Erlebnisses wieder fröhlich sein zu dürfen.
Denn in einer schwierigen Familiensituation versuchen die Kinder häufig, ihre Gefühle zu verstecken und zu „funktionieren“, um nicht zusätzlich zur Belastung des Elternteils beizutragen.

Diese Gefühle und Emotionen stauen sich jedoch und können zu einem anderen Zeitpunkt, gegebenenfalls noch viel deutlicher zum Vorschein kommen oder auch die Leistungsfähigkeit blockieren.

Ganz wichtig ist das Abgrenzen am Ende des Rituals, in dem man den Stein loslässt und der Kummer verschwinden soll. Einfach mal selbst nachmachen in einer schwierigen Lebensphase und die Wirkung erfahren!

 

Anita Schwarz
Ergotherapeutin & Kindertrauerbegleiterin

*vgl. „Der Kummerstein“ aus „Scheidungskindern helfen“ von Susanne Strobach